Hallo zusammen,
gestern habe ich ganz atemlos
"Top Job" von Jason Starr beendet. Eigentlich hatte ich erst heute damit gerechnet, aber es war einfach zu spannend. Ich kannte bisher nur ein Buch von ihm ("Twisted City"), welches mir aber sehr gut gefallen hatte. Mein Eindruck über den Autor bestätigte sich nun mit "Top Job". Seine Krimis sind einen Blick wert.
Ein bisschen hält er es mit seinen Figuren wie Patricia Highsmith (die für mich allerdings unerreicht ist!). Ganz normale Menschen verfangen sich in Lügen und Taten und bringen sie zu Fall. Und der Leser schaut ihnen dabei zu. Das macht Spaß! An manchen Stellen musste ich den Atem anhalten, so sehr ging ich in der Handlung auf. Hochliterarisch ist ein Krimi von Jason Starr nicht. Aber sehr flott erzählt. Er erzeugt einen ungeheuren Sog, aus dem weder seine Figuren, noch der Leser entkommt. Was will man mehr? Für mich war das jedenfalls genau das richtig, nachdem ich mich so schwer mit einer Buchauswahl getan hatte, nachdem ich mit Marcel Reich-Ranickis Autobiografie fertig war.
Eine
Rezension über "Top Job" habe ich auch direkt geschrieben. Wer mal einen rabenschwarzen flott erzählten Thriller möchte, dem sei Jason Starr empfohlen. Soweit ich weiß, siedelt er seine Thriller immer in New York an. Ein gutes Pflaster für seinen Stoff.
Nun habe ich mir das nächste Buch gegriffen. Es konkurrierte mit "Top Job". So fiel mir die Entscheidung jetzt aber leichter. So habe ich heute morgen die ersten Seiten von
"God's Pocket" von Pete Dexter gelesen. Aufmerksam wurde ich auf das Buch, als es letztes Jahr auf der KrimiWelt-Bestenliste stand. Auch andere Titel von Pete Dexter reizen mich seither. Aber kennenlernen möchte ich ihn über sein Debüt, auch wenn es in den USA bereits 1983 erschien. Wie schön, dass man diesen Autor, wenn auch spät, nun auch den deutschen Lesern zugänglich macht.
Laut einer Pressestimme (Frankfurter Rundschau) handelt es sich bei "God's Pocket" um einen Gesellschaftsromane im Krimikostüm. Den Eindruck bekommt man bereits auf den ersten Seiten bestätigt. Hier wird das Vorstadtleben skizziert. Dexter schaut besonders in die trostlosen Winkel. Verlorene Seelen, harte Kerle, kaputte Menschen... das Arbeiten auf dem Bau, der Feierabend in der Bar. Ich bin gespannt, auf welch schmutzigen Ecken des fiktiven Arbeiterviertels in South Philadelphia und auf welch abgelegene Winkel manch zerrütteter Seele Pete Dexte noch den Blick richten wird. Auf den ersten Seiten wirkt alles sehr authentisch. Und das Cover gefällt mir überdies. In der Krimi-Couch hat das Buch eine sehr hohe Wertung erlangt, und auch sonst spart man nicht mit Lob. Ich freue mich aufs weiterlesen und werde berichten.
@Doris: Dass Dir meine Berichte über MRR gefallen haben, freut mich sehr! Besonders aber, dass ich damit ansteckend wirke. Denn ich wünsche seiner Autobiografie wirklich ganz viele Leser. Es steckt so viel imposantes, wichtiges und interessantes darin. Und er hat mich zu so manch einem Buch verführt. Dieses Buch hat für mich Folgen. Und das kann man wahrlich nicht jedem Buch nachsagen.
Von Peter Goldsworthy kenne ich noch nichts. Aber Du machst mich durchaus neugierig. Ich hoffe Du kannst das noch verstärken, indem Du von Deinen Eindrücken zu "Ernster als Liebe" berichtest. Die Idee ist vielleicht nicht neu, aber es klingt interessant. Und ich wäre sehr neugierig darauf, was Peter Goldsworthy aus dieser Idee macht. Viel Vergnügen - und bitte berichte!
@Binchen: Ja, da Du "Mein Leben" von MRR schon kanntest, kommt nun kein weiteres Buch auf Deine Liste. Aber schön, wenn ich Dich an Deine eigene Begeisterung für das Buch über sein Leben so noch mal erinnern konnte. An dieses Buch denkt man gern zurück, nicht wahr? Es freut mich ganz ungemein, dass er sich doch noch hat überreden lassen, seine Erinnerungen aufzuschreiben. Was wäre verloren gegangen, wenn er es nicht getan hätte!
Schön, dass Du Dich mit "Madame ist leider verschieden" gut unterhalten gefühlt hast. Das Pariser Flair habe ich persönlich nicht vermisst. Das Gewusel wegen der Weltausstellung und der Eröffnung des Eiffelturms erzeugte für mich die passende Stimmung. Oft deckt sich unser Bild, das wir vom Typischen eines Landes oder einer Stadt haben gar nicht so sehr mit dem Lebensgefühl der Bewohner (das Autoren-Duo Claude Izner lebt ja selbst in Paris) selbst. Vielleicht liegt es daran. Aber das Empfinden beim lesen ist ja immer individuell. Somit gut, dass es Dir dann wenigstens ansonsten gut gefallen hat, und somit keine verlorene Lesezeit bedeutete.
Die Reihe ist übrigens ja schon was umfangreicher. Ich bin mal gespannt, ob der Verlag auch die Folgebände rausbringen wird. Angekündigt ist bisher noch nichts. Ich denke, ich würde mich noch mal nach Paris zu der Zeit begeben, allein schon um der skurrilen Figuren willen.
@Barbara: Berichte mal, was Tolstoi da zu beichten hat (oder hast Du vielleicht sogar schon im Tolstoi-Thread - da lese ich gleich mal rein). Interessiert mich. Aber ich weiß auch, dass ich es wohl niemals selbst lesen werde, da mich seine Ansichten in der
Kreutzersonate schon so abgestoßen haben.