Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon JMaria » Di 5. Apr 2011, 14:50

Didonia hat geschrieben: Was mir ja manchmal, aber äußerst selten, passiert, ist ja, dass ich so in eine Figur hineintauche und mir wünschte, ihr Leben leben zu können. Jetzt nicht im Ernst, aber so vom Gefühl her.
Besonders ging mir das so bei der Dido-Hoare-Reihe. Die junge Frau, die ein Antiquariat hat und nebenbei in Krimifälle hineingezogen wird. Die habe ich wahnsinnig um ihr Leben beneidet :D


Hallo Didonia,

ich weiß was du meinst. Ich denke mir jedesmal bei "Barnaby", die britische Krimiserie, dass ich gerne in Midsomer leben würde. Mein Mann grinst dann immer nur und meint 'zu hohe Fluktuationsrate in der Dorfbevölkerung' :mrgreen:

zu deiner Frage:

so vielfältig wie die Literatur ist, so lese ich sie. Ich glaube, ich bin darin sehr anpassungsfähig, vielleicht auch etwas pragmatisch veranlagt. Ich glaube, ich lasse mich gerne vom Autor und seinem Stil führen.

Eine Identifikation mit einer Figur suche ich nicht; ich fühle gerne mit, aber ich kann sehr gut auf Abstand bleiben.

Schöne Grüße
Maria
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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon Didonia » Di 5. Apr 2011, 15:25

Ha ha ha, Fluktuationsrate, sehr lustig :D . Aber wo er recht hat, Maria.

Ich muss aber bei Barnaby ganz ehrlich sagen, dass ich den viel lieber schaue als lese. Ich liebe John Nettle. Aber als seinen Sergeanten Gavin Troy fand ich viel besser als Ben Jones. Der hatte irgend etwas.

Na ja, das nur mal nebenbei :)
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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon JMaria » Di 5. Apr 2011, 15:29

Didonia hat geschrieben:Ha ha ha, Fluktuationsrate, sehr lustig :D . Aber wo er recht hat, Maria.

Ich muss aber bei Barnaby ganz ehrlich sagen, dass ich den viel lieber schaue als lese. Ich liebe John Nettle. Aber als seinen Sergeanten Gavin Troy fand ich viel besser als Ben Jones. Der hatte irgend etwas.

Na ja, das nur mal nebenbei :)



ja, ich schaue auch nur Barnaby. Gelesen habe ich von Caroline Graham noch nichts.

ich mag Jones trockene Art :lol:

Gruß,
Maria
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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon Petra » Di 5. Apr 2011, 16:38

Hallo zusammen,

Maria hat auch noch einen guten Aspekt mit hineingebracht: Auf Abstand bleiben. Ja, das kann ich auch, aber das hat bei mir dann eher Grenzen als vielleicht bei Maria. Wobei, kommt aufs Thema an. Mir fällt als Beispiel Patrick Süskinds "Das Parfüm" ein. Da konnte ich mich in der Figur nicht wiedererkennen (was ich ja auch nicht brauche), da konnte ich auch nicht mitfühlen oder mich einfühlen. Da musste ich auf Abstand bleiben. Ich mochte das Buch nicht. Es war sprachlich gut, aber der Inhalt hat mich nicht mitgerissen, nicht überzeugt. Vielleicht lag es in dem Fall daran, dass ich auf Abstand bleiben musste.

Zur Zeit höre ich ja als Hörbuch "Der Trinker" von Hans Fallada. Da ist es ähnlich. Wiedererkennen = nein. Einfühlen = schwer. Abstand: Ja, hier funktioniert das. Da mir die Figur nachvollziehbar bleibt und Einblicke in eine mir zwar bekannte, aber doch immer noch rätselhafte Krankheit gibt. Man versteht sie, wenn man sich lange damit beschäftigt. Und doch sind die Verhaltensweisen und Handlungen eines Suchtkranken nicht mit Logik oder Verständnis zu erfassen. Es ist ein abstrakteres Verstehen. Hier funktioniert das auf Abstand bleiben zur Figur.

Interessanter ergänzender Aspekt somit, Maria. Danke dafür!

Und Ihr Lieben: Fluktuationsrate ist wirklich sehr lustig! Und Sergeant Troy finde ich auch bezaubernd, auf seine ganz eigene tumbe Weise. :)
Die Bücher kenne ich auch nicht. Aber ich glaube in dem Fall reichen mir die Filme vielleicht auch, denn sie sind so nett!

Und wie mir scheint, so muss ich doch mal die Marianne Macdonald-Krimis lesen, Didonia! :-)
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon Didonia » Di 5. Apr 2011, 16:55

Oh ja, Petra, kann ich Dir nur empfehlen :)

Ein paar Barnaby-Bücher habe ich ja schon gelesen. Und sie lesen sich wundervoll, kann ich nicht anders sagen. Der Knackpunkt ist, dass es manchmal über 100 Seiten dauert, bis die erste Leiche auftaucht.
Vorab wird alles genauestens beschrieben. Das Dorfleben, die Menschen. Die Figuren, die nachher wichtig sind. Das ist alles gut und schön und ich lese so etwas auch ganz gerne. Mal.
Aber bei einem Krimi sooo lange auf den ersten Toten warten zu müssen, kann schon ungeduldig machen :twisted:
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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon Petra » Mi 6. Apr 2011, 09:43

Hallo Didonia,

da kann ich Deine Ungeduld gut verstehen! Ein Krimi und dann 100 Seiten warten müssen auf den ersten Toten, das ist auch wirklich eine Geduldsprobe. :mrgreen:

Gut zu wissen. Die Barnaby-Krimis scheinen was für eine spezielle Lesestimmung zu sein.
Liebe Grüße,
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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon Barbara » Mi 6. Apr 2011, 13:29

Hallo Ihr Lieben,

worin ich bei Büchern und bei manchen Geschichten total eintauchen kann, sind weniger die Personen, als mehr die Situationen, und Atmosphären, die beschrieben und hervorgerufen werden. Dann kann es schon mal passieren, dass sich in meinem Kopf eine ganz eigene Geschichte entwickelt und ich mich wieder in den Originaltext zurückrufen muss. Aber auch das passiert in dieser extremen Form eher selten. Denn meist ist mein Abstand auch groß genug.
:lesen_und_nachdenken:
Liebe Grüße
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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon JMaria » Mi 6. Apr 2011, 14:32

Hallo zusammen,

einer ganz bestimmten Atmosphäre kann ich auch erliegen. Da geht es mir ähnlich wie Barbara.

Ein phänomenales Erlebnis hatte ich beim "Zauberberg" von Thomas Mann und weder vorher noch nachher habe ich sowas derart intensiv erlebt.

In mir kam eine Dekadenz auf, denn ich hatte das morbide Gefühl mir von Fräulein Mylendonk ein Thermometer reichen zu lassen und hätte mich am liebsten ebenfalls in eine Decke gewickelt und im Liegestuhl bequem gemacht. Echt morbide und wohlig schaurig.
Nach dem Zuschlagen des Buches war das Gefühl jedoch weg, keine Sorge.

Das war einmalig seltsam und schön.

dann gibt es Bücher die mir ein Bauchkribbeln verursachen, weil sie für mich so gut geschrieben waren, das waren u.a.

Virginia Woolf: Zum Leuchtturm
Charlotte Bronte: Jane Eyre
Uwe Tellkamp: Der Turm
Roberto Bolano: 2666
Thomas Mann: Der Tod in Venedig // Mario und der Zauberer

auch dieses Bauchkribbeln habe ich nicht oft.

das sind dann die besonderen Lesegenüsse :-)

Liebe Grüße
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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon Didonia » Mi 6. Apr 2011, 14:37

Tolle Erlebnisse, die ihr da hattet :D

Damals, als ich die ersten Westschmöker (Liebesromane) gelesen hatte, in die konnte ich mich auch immer reinsteigern. Insbesondere, wenn es darum ging, dass die böse Mutter ihre gerechte Strafe erhalten hat.
Aber lang ist es her :D

Auch hier im Forum bin ich schon öfter über den Titel "Jane Eyre " gestolpert. Das Buch muss ich mir nun auch mal aus dem Regal holen und in Reichweite legen :)
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Re: Muss ich mich mit Figuren aus einem Buch...

Beitragvon Petra » Mi 6. Apr 2011, 15:41

Hallo zusammen,

damit hat Barbara einen interessanten weiteren Aspekt aufgeführt, dem ich mich auch anschließen kann. Auch ich kann mich in eine Atmosphäre oder Stimmung sehr intensiv einfühlen.

Maria, Dein Erlebnis mit "Der Zauberberg" ist wirklich schräg, aber schön! :-)

Und Barbara, Deine sporadischen Erlebnisse, in denen Du in eigene Geschichten in der jeweiligen Szenerie abdriftest, finde ich auch allzu liebenswert! Nicht, dass wir Dich mal aus einer Geschichte herausholen müssen, wie in den Jasper Fforde-Romanen! :mrgreen:
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