Alkohol / Sucht in der Literatur

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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon Barbara » Mi 6. Apr 2011, 12:10

Liebe Britti,

Britti hat geschrieben:(...)
König Alkohol von Jack London liegt schon seit Jahren auf meinem SUB. Der wurde uns in der Ausbildung zum Heilpraktiker mal sehr empfohlen als es ums Thema Sucht ging.


Das ist ja interessant, auch ich habe in meinem Studium mit ihm zu tun gehabt. Und wir sind ja in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig. ;)
:lesen_und_nachdenken:
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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon Barbara » Mi 6. Apr 2011, 13:23

Hallo Ihr Lieben,

na da habt Ihr Euch ja ein interessantes, schweres und sehr in die Tiefe gehendes Thema gewählt.
Ich bin gespannt, was Ihr noch alles dazu schreiben werdet. Ich werde mal schauen, ob ich das eine oder andere noch aus meinem damaligen Seminar auf dem Speicher finde. Ansonsten begleite ich Euch lesender Weise.
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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon Didonia » Fr 8. Apr 2011, 14:03

Ihr Lieben,

liebe Petra, ich habe jetzt bei den "Wilden Dichtern" noch einmal die Stelle gefunden: "Und doch sei er kein Alkoholiker, behauptete er, sondern ein Gewohnheitstrinker."

Es gab Zeiten, da trank er Bourbon am Mittag, Scotch und Soda am späten Nachmittag. Er bestritt, dass Alkohol abhängig macht.
Er trinkt nicht nur zu viel Alkohol, er nimmt auch zu viele Schmerzkiller. Im Oktober, zur Saison, gibt es Bratente, zwei Vögel am Tag, noch blutig und dazu eiskalten Liebfraumilch, einen süffigen Wormser Weißwein.

Über den Hang zum Hochprozentigen schrieb London im autobiografischen "John Barleycorn". Der Titel spricht ja wohl für sich.
Und die Biografen grübeln bis heute: Konnte der 37-jährige London so nüchtern über seinen Alkoholkonsum schreiben, weil er ihn überwunden hatte oder verbirgt sich dahinter der geübte Selbstbetrug des Alkoholikers?

Milo Shepard, Großneffe von Jack London, meint zu seinem Alkoholverbrauch: "Ein Alkoholiker? Da lache ich. Ein Alkoholiker kann nicht dieses Arbeitspensum leisten." Ich schrieb ja schon. London hat über 20 Bücher geschrieben.


Liebe Binchen,

mit Lebensstil war vielleicht auch nicht der Stil gemeint, in dem vielleicht die Wohnung eingerichtet war. London war ja auch viel unterwegs. Das kostete sicher viel Geld. Und auch den Alkohol bekam er sicher nicht umsonst. Und die Frauen, mit denen er fremdgegangen ist, haben sicher auch was gekostet.


Oh man, in diesem Buch ist wirklich jede Seite, jeder Satz interessant.
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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon JMaria » Fr 8. Apr 2011, 15:19

Hallo zusammen,

mir kam gerade William Faulkner in den Sinn. Auf die Frage ob er während des Schreibens von "Die Freistatt" berauscht gewesen sei, antwortete er "Nicht immer". ;-)

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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon Petra » Fr 8. Apr 2011, 16:08

Hallo Didonia und Maria,

@Didonia: Das ist eine gute Frage, ob London so sachlich über seinen Alkoholkonsum schreiben konnte, weil er ihn überwunden hatte oder ob sich dahinter der geübte Selbstbetrug des Alkoholikers verbirgt. Ich tendiere ja sehr stark zu Zweiterem.

Gelegenheitstrinker. Das ist auch eine Form von Alkoholismus. Und sein Arbeitspensum, das sein Großneffe anführt, ist für mich überhaupt gar kein Beweis! Eine der Fälle in meinem persönlichen Umfeld hat auch gearbeitet wie besessen. Befand sich nahezu jede Nacht im Vollrausch, ging gegen 1 oder 2 Uhr ins Bett und stand um 6 Uhr auf, und ging arbeiten. Volle Leistung (musste in dem Beruf auch sein) und kein Fehltag! Wie das möglich ist, fragt man sich . Aber daran, dass es eine starke Form von Alkoholismus war, besteht leider kein Zweifel. Irgendwann macht dann der Körper nicht mehr mit. Organe versagen. Und das war bei Jack London ja auch so.

Interessant - Danke für all die Infos, Didonia, die Du hier mit uns teilst!

@Maria: oh ja, William Faulkner. Stimmt. Davon hattest Du vor ein paar Monaten mal berichtet. Auch davon, dass er angibt vielleicht nicht immer, aber so doch oft oder manchmal beim schreiben von "Die Freistatt" berauscht gewesen zu sein. Gehört hier unbedingt genannt. Danke.
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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon Binchen » Fr 8. Apr 2011, 22:13

Hallo Didonia -

STIL - Tja - natürlich ist nicht nur die Hütte damit gemeint *g*, Reisen, Frauen, Saloon-Besuche ... sein Claim, ,

Aber wenn Du so eine armselige Hütte (da oben sind viele so, d.h. es ist ganz normal) siehst, dann ist es einfach schwierig, das mit Stil in Verbindung zu bringen, obwohl Stil eben auch im Kopf stattfindet, wie Du richtig bemerkst.
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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon JMaria » Sa 9. Apr 2011, 11:02

Petra hat geschrieben: @Maria: oh ja, William Faulkner. Stimmt. Davon hattest Du vor ein paar Monaten mal berichtet. Auch davon, dass er angibt vielleicht nicht immer, aber so doch oft oder manchmal beim schreiben von "Die Freistatt" berauscht gewesen zu sein. Gehört hier unbedingt genannt. Danke.


Hallo Petra,

ja, so seltsam es klingen mag. Manches gute Werk wären ohne einen Rauschzustand (Alkohol oder auch Drogen) wohl nicht entstanden.

Man sagt, Schiller berauschte sich an faulende Äpfel, ohne sie konnte er nicht arbeiten, zumindest sagt dies Eckermann, der Goethe zitiert:

“Ich besuchte ihn eines Tages, und da ich ihn nicht zu Hause fand, und seine Frau mir sagte, daß er bald zurückkommen würde, so setzte ich mich an seinen Arbeitstisch, um mir dieses und jenes zu notieren. Ich hatte aber nicht lange gesessen, als ich von einem heimlichen Übelbefinden mich überschlichen fühlte, welches sich nach und nach steigerte, so daß ich endlich einer Ohnmacht nahe war. Ich wußte anfänglich nicht, welcher Ursache ich diesen elenden, mir ganz ungewöhnlichen Zustand zuschreiben sollte, bis ich endlich bemerkte, daß aus einer Schieblade neben mir ein sehr fataler Geruch strömte. Als ich sie öffnete, fand ich zu meinem Erstaunen, daß sie voll fauler Äpfel war. Ich trat sogleich an ein Fenster und schöpfte frische Luft, worauf ich mich denn augenblicklich wiederhergestellt fühlte. Indes war seine Frau wieder hereingetreten, die mir sagte, daß die Schieblade immer mit faulen Äpfeln gefüllt sein müsse, indem dieser Geruch Schillern wohl tue und er ohne ihn nicht leben und arbeiten könne.“

Balzac hatte einen exzessiven Kaffeeverbrauch um 15 Stunden am Tag schreiben zu können. Was ihn später starke gesundheitliche Schäden abforderte.


Liebe Grüße
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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon Didonia » So 10. Apr 2011, 16:45

Hallo, Ihr Lieben,

vor Jahren habe ich mir das Buch "Kapitän Nemos Bibliothek" von Per Olov Enquist bestellt, weil ich dachte, es gehört zum Bücher-über-Bücher-Genre. Das war gerade die Zeit, als ich entdeckte, wie viel Bücher es zu diesem Thema gibt und ich gekauft habe wie eine Blöde :lol:
Heute beim Bügeln bin ich nun über die Sendung "Druckfrisch" gestolpert, in der am Schluss Enquist interviewt wurde. So 100-prozentig habe ich das gar nicht mitbekommena, aber mit genau diesem Buch hat er wohl seine Alkoholsucht "aufgearbeitet" :arrow: http://www.amazon.de/Kapit%C3%A4n-Nemos ... 3423125063
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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon Binchen » Mo 11. Apr 2011, 12:10

Bei Jokers gibt es scheinbar gerade eine amüsante Variante über Infos zu den sogenannten Spleens und Macken der großen Dichter - unter dem Motto:

Das macht die Klassiker gleich viel sympathischer

Lust auf Literatur - Vom Taugenichts zum Steppenwolf - eine etwas andere Literaturgeschichte auf 4 CDs. (von Peter Braun)
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Re: Alkohol / Sucht in der Literatur

Beitragvon Petra » Mo 11. Apr 2011, 15:29

Hallo zusammen,

das mit den faulenden Äpfeln, ohne die Schiller nicht schreiben konnte, habe ich auch schon gehört. Danke für das Geothe-Zitat dazu, Maria - sehr interessant es aus seinem Munde zu hören.

Didonia, das ist ja interessant, dass Per Olov Enquist alkoholkrank ist und seine Sucht mit "Kapitän Nemos Bibliothek" aufgearbeitet haben soll. Danke für den Hinweis!
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