Hallo zusammen,
hervorstechend in Heimito von Doderers Werk "Die Wasserfälle von Slunj" ist, dass eine Bagatelle oder ein Mißverständnis das weitere Leben in total andere Bahnen lenkt. Das macht der Autor ganz hervorragend und seine Personen sind immer irgendwie in Bewegung, nicht hektisch, eher bummelnd, wienerisch (oder was ich mir unter wienerisch vorstelle, eine gewisse Gelassenheit).
Über eine Szene habe ich mich gestern köstlich amüsiert.
Donald Clayton (Maschinenbau-Ingenieur und Erbe der Fabrik) ist in Liebesdingen sehr langsam von Begriff .... Monica Bachler, ihrerseits ebenfalls Ingenieur, möchte endlich das Verhältnis vertiefen, den entscheidenden Schritt tun (von ihm kommt ja nichts *g*, abgeneigt ist er aber nicht !) . So landen sie in ihrer Wohnung; sie mit der Begründung, sie möchte noch schnell einen Geschäftsbrief schreiben, was nicht lange dauert. Dann küsst sie ihn, es kommt zu Berührungen, alles ganz eindeutige Signale, Donald weiß garnicht wie ihm geschieht ... sie steht auf ... mit lockendem Blick geht sie in Richtung Schlafzimmer, wirft ihm an der Tür noch einen Blick zu, der besagt, er soll ihr folgen... Doch Donald checkt es nicht, er denkt, sie möchte den Brief schreiben und wartet (erhitzt) im Sessel; Monica Bachler liegt derweilen ausgezogen auf ihrem Bett und wartet umsonst. Als sie merkt, dass es wieder mal ein Mißverständnis gab, ist es ihr peinlich und sie tut dann tatsächlich so, als ob sie den Brief in der Zwischenzeit geschrieben hat.
Es war köstlich. Doderer vom Feinsten.
Besonders wenn der Autor sich direkt an den Leser wendet... wie mit den Worten .... (
Uns reißt's schon wieder im Stiefel, der Leser weiß schon, wie wir's meinen.) ...
später ist in Klammern nur noch von (
Stiefel! Stiefel!) die Rede und der Leser weiß sofort, was damit gemeint ist. Ohhh Donald, er benötigt wirklich einen Tritt in den Hintern.
Doch ich befürchte, das wird nichts mehr mit der Monica

Ich bin nun im letzten Drittel des Buches.
Gruß,
Maria