Hallo Petra,
Petra hat geschrieben: Nachdenken muss ich auch noch darüber, ob ich auch meine, dass er das absichtlich als stilistisches Mittel einsetzt. Dazu kann ich mir gewiss erst eine Meinung bilden, wenn ich mehr von ihm gelesen habe. Interessant wäre auch mal eine türkische Ausgabe. Da könnte Ayhan dann mal drin lesen und seine ziemlich wörtliche Übersetzung an mich richten. Denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass eine Übersetzung wie sie uns in den Orhan Pamuk-Büchern vorliegt, oft nicht der wort-wörtlichen Übersetzung entspricht. Ich muss mal drauf achten. Ich hatte während meiner Beziehung mit Ayhan schon oft Sätze, die - wenn er sie mir vom Türkischen ins Deutsche übertrug - sehr blumig und märchenhaft waren. Man muss dann erst den Sinn erfassen, um das wirklich in ein Deutschen Text umzusetzen. Schwer zu erklären. Wenn ich mal ein Beispiel habe, lasse ich es Euch wissen.
das wäre nett
Petra hat geschrieben:Dass Dich "Die weiße Festung" mehr interessiert, kann ich gut verstehen. Ich denke ja selbst darüber nach, ob ich nicht erst was anderes als "Das Museum der Unschuld" von ihm lesen sollte. Aber Maria hat schon ganz überzeugend fürs erste dagegen argumentiert und mir Mut gemacht, doch nicht ganz das falsche (weil untypisch) Buch für den Pamuk-Einstieg erwischt zu haben.
Ein wenig Sorge habe ich, dass ich im Anschluss mit Pamuks anderen Büchern nicht warm werde, weil mir dann ein richtiger Protagonist fehlen wird. Meinst Du nicht?
Das weiß ich nicht. *grübel*
Ich lasse mich gerne auf einen Autoren ein, wenn ich weiß, dass er mit seinem Anliegen "experimentiert". Ich kenne ja noch nicht "Das Museum der Unschuld", doch kann ich mich bereits auf diverses, wie Stil und Inhalt, einstellen.
So hat z.B. Daniela aus der Leselust hier irgendwann mal geschrieben, dass die meisten Leser in ihrer Leserunde "Schnee" nicht beendet hätten, weil sie enttäuscht waren oder es nicht mehr interessant oder lesbar fanden. Das kann ich jetzt so überhaupt nicht nachempfinden. Ich bin fast durch und fand das Thema hochinteressant. Die Vermischung von Politik und Religion und die Liebe, Grenzen vermischen sich. Vom Stil her nicht einfach zu lesen, man braucht auch Geduld dazu und auch Interesse zum Thema.
Im nächsten Buch "fordert" mich Orhan Pamuk wieder mit etwas anderem heraus. So zum Beispiel in "Ein neues Leben", das ebenfalls bei Daniela nicht so gut weg kam. Doch die Vorstellung, dass mich Pamuk hier auf die Suche nach einem "geheimnissenvollen Buches" schickt, und bringt hier eine Verbindung zu der Romantik Novalis zustande, dessen Heinrich von Ofterdingen, der auf der Suche nach der blauen Blume war, ein Sinnbild für Sehnsucht und Liebe und streben nach dem Unendlichen. Da packt mich einfach schon vor dem Lesen ein Fieber.
Doch um so einen Autor verstehen zu können, mach ich mich auf die Suche nach Hinweisen. Das gehört einfach für mich dazu. So habe ich es mit Thomas Mann, Virginia Woolf, James Joyce gemacht und tue es auch heute noch.
Also im Endeffekt, würde ich mal behaupten, dass dir vielleicht ein anderes Buch von O. P. im ersten Moment etwas fremd erscheinen könnte, doch dass das kein Hindernis darstellen dürfte.
Aber man muß auch dazu sagen, dass einem ja nicht jedes Buch von einem Autor gefallen muß. Ich wollte nur kurz meine Vorgehensweise anfügen.
nochmals zum "Museum der Unschuld". In der NZZ gab es am Wochenende ein neues Interview mit Orhan Pamuk:
Die Quittenreibe und das Universum der Liebenoch eine Begebenheit in "Schnee":
darin taucht ein übergeordneter Erzähler ab und zu auf und gegen Ende erfährt der Leser, dass es Orhan Pamuk selbst ist. Er nimmt aus dem Zimmer des Dichters alle seine Sachen mit, sogar Zigarettenstummel, einfach auch aus einem traurigen Gefühl heraus. Es heißt dort:
Ich tat das mit der Leidenschaft eines Museologen. Bei einem unserer letzten Gesprächen in Istanbul hatte mich Ka nach dem Roman gefragt, den ich als nächstes schreiben würde, und ich hatte ihm die Geschichte des "Museums der Unschuld" erzählt, die ich vor allen anderen sorgfältig geheimhalte.Schnee" erschien in türkisch 2002, in deutsch 2005!
Liebe Grüße
Maria