Hallo zusammen,
“Postkarten“ von Annie Proulx habe ich nun zu Ende gelesen, und ich werde mir bis zum Wochenende Zeit lassen etwas neues auszusuchen. Denn mir hängt die Geschichte noch etwas nach. Sie nimmt einen fließenden Ausgang, die Leben sind gelebt, Loyal bleibt
auf der Strecke (auch im übertragenen Sinn), die Kämpfe der einzelnen sind gekämpft, und was bleibt ist… erschütternder Weise nichts. Annie Proulx schildert schonungslos den Lauf des Lebens, und des Lebens in Amerika, wie vielen es beschieden ist. Mir macht das zu schaffen. Es lässt mich nicht kalt, wie sinnlos so mancher Kampf ist, wie zwecklos alle Mühsal. Und wie leise ein Leben verpufft. An einer Stelle schreibt Annie Proulx (sinngemäß!), dass schwarz-weiße Fotografien alles ist, was bleibt. Es ist so. Schaut Euch Eure eigenen Familienalben an. Die meisten Menschen darauf kennt man gar nicht; man könnte sich genauso gut ganz fremde Menschen auf Bildern anschauen (so ist es in der Szene in „Postkarten“).
Ihre Sprache berührt mich ungemein. Wenige Worte sagen bei ihr so viel. Zwischen den Zeilen ist ungemein viel zu lesen. Ein Beispiel:
Sie standen sich nicht mehr nah. Aber sie taten so.Mit diesen wenigen Worten beschreibt sie, wie zwei Stiefbrüder, die spät zueinander gefunden haben, und eine Zeit lang Gemeinsamkeiten hatten, sich nach einiger Zeit erneut treffen. Und dass sie in die alte Vertrautheit wechseln, ohne dass sie wirklich noch da wäre. Sowas kenne ich auch. Man müsste sich vertraut sein, und man verhält sich so, als sei die Verbundenheit wie einst. Doch merkt man, dass es nicht mehr so ist. Und (davon darf man getrost ausgehen) es geht dem anderen mit einem selbst genauso. Ohne viele Worte fasst sich ganze Erklärungen, ohne sie wirklich zu geben. Beeindruckend. Auf fast jeder Seite des Buches.
Diese Autorin ist eine Ausnahmeerscheinung, die mich nun zum zweiten Mal sehr beeindruckt.
@Bonny: Das ist lieb, dass Du schreibst, dass Du Dich freust, dass ich mich in diesem Thread auch mal wieder zu Wort gemeldet habe. Mich freut es selbst auch. Ich habe im Moment so wenig Zeit und Luft, und ich vermisse den Austausch sehr. So dachte ich mir heute, da ich abermals die letzten Tage nicht wirklich Zeit gefunden habe, dass ich nun wenigstens zu meinem eigenen Lesestoff etwas schreibe, obwohl ich auch gern auf Euren eingehen würde. Aber entweder kann ich es nachholen, oder falls nicht, habe ich wenigstens meinen beigetragen, bevor wieder Wochen ins Land gehen, und ich hier nichts geschrieben habe.
